Nils Müller über Trends und Gegentrends
Veröffentlicht am 3. April 2007 um 10:53 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte
Nils Müller hält die Visionary Note. Ein Interview.
Wohin entwickelt sich Web 2.0?
Nils Müller: Web 2.0 heißt ja, dass der User aktiv wird und jeder mitmachen kann. Aus Web 2.0 hat sich der Schlüsseltrend Media 3.0 entwickelt. Media 3.0 bedeutet „Jump in“ – jeder lebt im Medium und verschmilzt mit dem Medium. In Web 1.0 war man Zuschauer, in Web 2.0 konnte man als Direktor bestimmen, was passieren soll – und in 3.0 ist man selbst der Darsteller in den virtuellen Welten, beispielsweise bei Second Life.
Was passiert in Media 3.0 mit den Marken?
Der tolle Effekt ist, dass in Media 3.0 das Involvement maximal ist. In Web 1.0 hatten wir es mit einer Lean-back-Situation zu tun. In Web 2.0 ging es um das Dabeisein und darum, eigene Inhalte einzugeben. Media 3.0 ist eine Super-Chance für die Unternehmen, von diesem Involvement zu profitieren, z.B. mit In-Game-Advertising Computerspiele als Werbemedium zu nutzen.
Welche Themen werden uns in Deutschland im nächsten Jahr begleiten?
Die Virtualisierung wird noch stärker werden. Gerät und Mensch werden immer stärker verschmelzen, Beispiel Wearable Computing, also Kleidungsstücke, in die Geräte zur Musikwiedergabe eingearbeitet sind. Das Handy wird noch mehr zum Assistenten werden. Diese Verknüpfungsebenen sind natürlich spannend für das Marketing.
Jede Entwicklung hat eine Gegenbewegung – oder?
Der Gegentrend zu dieser Virtualisierung und Digitalisierung ist der Wochenmarkt bzw. das sogenannte Five-Sense-Marketing. Deswegen läuft Kerners Kochshow auch so gut. Wie schmeckt eigentlich ein iPod, wie riecht Lufthansa? Hier gibt es große Chancen für das Marketing, mit dem tatsächlichen Fühlen, Riechen etc. zu arbeiten.
Warum ist Deutschland so wenig innovationsfreudig – und wer beeinflusst uns am stärksten?
Die Deutschen sind ja eher vorsichtig und sicherheitsbewusst. Die Trends kommen von links (Amerika) und von rechts (Asien) und sind eher technologie- (Asien) oder kommunikationsorientiert (Amerika). Das irritiert die Deutschen zunächst. Dann orientieren sie sich, brauchen ein paar Zahlen und entscheiden sich auch dafür.
Nehmen Sie allein die Handypenetration in Deutschland: Vor 10 Jahren hatten 10 Prozent der Deutschen ein Handy, heute liegen wir bei 107 Prozent. Unser ganzes Kommunikationsverhalten hat sich revolutionär geändert. Die Deutschen sind erst vorsichtig, aber wenn sie etwas wirklich wollen, nehmen sie es auf, und dann gehört es auch absolut dazu.
Wie kommunizieren Unternehmen im Jahr 2010 mit ihren Kunden?
Das Ranking zwischen Marke und Konsumenten wird sich ändern. Früher hatten wir eine One-to-Many-Kommunikation. Die heutigen Plattformen bringen Marken und Menschen zusammen. Die nächste Evolutionsstufe heißt: Der Mensch wird zum Multiplikator, Stichwort: Virales Marketing. Es geht nicht mehr ohne den Konsumenten: Die Marken müssen raus aus ihrem Elfenbeinturm.
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