Ibrahim Evsan, Sprecher im Track Medien 2.0

Veröffentlicht am 13. Juni 2007 um 10:21 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

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Seit über neun Jahren gehört Ibrahim Evsan zu den führenden Köpfen in der Entwicklung von Video-on-Demand-Systemen in Europa und zählt zu den Innovatoren beim Einsatz von Web-2.0-Technologien.

Der Gründer und Geschäftsführer von Sevenload begann seine unternehmerische Karriere 1997 als Leiter von Video-on-Demand-Projekten für die RWE Powerline AG. In der Zeit von 2002 bis 2005 arbeitete er als Kreativberater und Technischer Direktor an diversen Video-on-Demand-Projekten.

Ibrahim Evsan gründete mit Sevenload im April 2006 Deutschlands erfolgreichste Bild- und Videoplattform. Hinter Sevenload steht die Idee, eine Plattform auf Basis der fortschreitenden Digitalisierung von Medieninhalten in einem großen sozialen Netzwerk anzubieten. Der Gedanke, mit einer sozialen Community zur aktiven Veränderung der traditionellen Medienlandschaft beizutragen, nimmt durch die kontinuierliche Entwicklung von Sevenload Realität an.

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Norbert Bolz ... über atomisierte Zielgruppen

Veröffentlicht am 27. April 2007 um 14:12 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Prof. Dr. Norbert Bolz spricht im Track Medien 2.0 über die Zukunft interaktiver Medien. Ein Interview.

Partizipative Medien sind überall Gesprächsthema, doch vieles erinnert an die erste Internetwelle: Die Begeisterung ist da, nur Reichweite fehlt. Müssen die Blütenträume erst wieder zerplatzen, bevor der Markt selbst reif werden kann?
Norbert Bolz: Das ist eine wunderbar poetische Frage. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wie beim E-Commerce der Hype platzen muss. Das halte ich auch für wahrscheinlich. Für mich als Wissenschaftler ist das nicht so furchtbar wichtig, ob es jetzt stattfindet oder in ein paar Jahren. Die Grundidee ist doch eigentlich unzerstörbar: Neben der passiven ist eben auch eine partizipatorische Haltung entscheidend. Das hat eher soziologische Gründe. Seit einigen Jahren leben Menschen, die im Internetalter groß geworden sind. Diese Phantomschmerzen gibt es für die gar nicht, für die ist es selbstverständlich, alles aktiv zu nutzen. Es wird zu einer Art Polarisierung kommen: Erstens Menschen mit wahnsinnig viel Zeit und zweitens Menschen, die überhaupt keine Zeit haben. Partizipation ist an einen enormen Zeitbedarf geknüpft. Der Erholungsbedarf ist heute nicht so ausgeprägt – wir haben es mit anderen Lebenssituationen zu tun, die wie gesagt soziologische Gründe haben.

Wer ist der Gewinner im Kampf um die Aufmerksamkeit des Konsumenten?
Das ist auf eine recht einfache Formel zu bringen: Im Zeitalter des „Information Overload“ wird nicht der sich durchsetzen, der ein Mehr an Informationen bietet, sondern der, der fasziniert. Es geht um die Eroberung von Faszinationswerten – nicht jeder Lebensbereich fasziniert mit der gleichen Technik: Die Massenmedien faszinieren mit Skandalen, die Politik mit Problemen, die Wirtschaft mit einem spirituellen Mehrwert für Produkte. In Blogs ist gut zu beobachten, dass das faszinierende Medium „Voice“ ist – denn dort kommunizieren die Menschen unverstellt, authentisch, parteiisch, emotional, laut, aggressiv, polemisch.

Jeder ein eigener Autor, eine Handvoll Filmemacher ein eigener Fernsehsender: Wer soll das alles konsumieren? Und wie verändern diese selbstreferenziellen Menschen die Medienlandschaft?
Es gibt mehr Produktion als Konsumption. Alles wird sich auflösen in der Pareto-Verteilung: 80 Prozent aller Aufmerksamkeit gilt 20 Prozent des Angebots. Alles wird sich nach recht traditionellen Motiven ordnen, z.B. nach Popularität. So wird sich die Aufmerksamkeit verteilen. Es gibt z.B. jetzt schon Superstars unter den Bloggern – so werden sie selbst zum Massenmedium, und die Massenmedien kehren durch die Hintertür wieder.

Zu den Branchen, die die Herausforderung rund um das Mitmach-Web zuerst aufgenommen haben, gehören die Verlage. Katharina Borchert stellt nach Ihrer Keynote beispielsweise das neue Online-Portal der WAZ vor. Werden Verlage wirklich von Blogs, Wikis und Videoportalen profitieren?
Was die Verlage, Zeitungen und Zeitschriften, was alle traditionellen Medien machen, ist eine Art Parallelexistenz aufzubauen. Das halte ich für sehr vernünftig. Das Grundprinzip ist das Linking, so wird die alte mit der neuen Welt verknüpft, und man rechnet mit Rückkopplungseffekten. Durch die Seriosität und Attraktivität z.B. von Spiegel-Online kann man auf die Marke Spiegel aufmerksam werden. Das Handelsblatt hatte sehr früh ein Blog, als Leser war man positiv überrascht – bei den ersten dabei zu sein, das erzeugt Verblüffungseffekte bei den meisten Menschen.
Mindestens ist es ein guter Marketinggag, das Mitmach-Web aufzunehmen – auch, wenn sich keine Rückkopplungseffekte ergeben. Alle werden künftig auf der gesamten Klaviatur neuer Medien spielen.

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Norbert Bolz, Keynotesprecher Medien 2.0

Veröffentlicht am 27. April 2007 um 14:11 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

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Der Philosoph und Medienwissenschaftler hält die Keynote zur Zukunft interaktiver Medien. Prof. Dr. Norbert Bolz erforscht an der TU Berlin die Einflüsse der Medien auf die gesellschaftliche Entwicklung und gilt als einer der führenden Vordenker für Politik und Wirtschaft. Wirklichkeitssimulationen stellen für Bolz Trainingssituationen dar, die uns bei der Bewältigung des Alltags helfen können.

Ob im ZDF Nachtstudio oder der 3sat-Kulturzeit - der Philosoph ist ein gefragter Referent und Interviewpartner, Essayist und Kommentator. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter "Die Konformisten des Andersseins", "Das konsumistische Manifest" oder "Blindflug mit Zuschauer".

Norbert Bolz ist 1953 in Ludwigshafen geboren. Sein Studium der Philosophie, Germanistik, Anglistik und Religionswissenschaften absolvierte er in Mannheim, Heidelberg und Berlin. Bolz schrieb seine Doktorarbeit über die Ästhetik Adornos bei dem Religionsphilosophen Jacob Taubes, dessen Assistent er bis zu Taubes Tod war. Seine Habilitation verfasste er über den „Philosophischen Extremismus zwischen den Weltkriegen“. Von 1992 bis 2002 lehrte Norbert Bolz als Universitätsprofessor für Kommunikationstheorie am Institut für Kunst- und Designwissenschaften der Universität GH Essen. Seit dem Wintersemester 2002/03 ist er Universitätsprofessor an der Technischen Universität Berlin, Fakultät I Geisteswissenschaften, Institut für Sprache und Kommunikation, Fachgebiet Medienwissenschaft.

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Katharina Borchert, Sprecherin Medien 2.0

Veröffentlicht am 23. April 2007 um 12:13 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

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Katharina Borchert ist Chefredakteurin der Online-Aktivitäten der WAZ Mediengruppe. Sie war Chefredakteurin der Zeitschrift „das internet programm“ und arbeitete als freie Autorin u.a. für die FAZ, die Sonntags-FAZ, die Welt und c't.

Die Liebe zum Lesen und Schreiben ging eine Allianz mit ihrer Begeisterung für das Internet ein, woraus das Weblog Lyssas Lounge als öffentliche Chronik großer und kleiner Alltagsgeschichten entstand.

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Tobias Trosse über personalisiertes Fernsehen

Veröffentlicht am 4. April 2007 um 18:21 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Tobias Trosse (Foto)

Tobias Trosse spricht im Track Medien 2.0 über die Zukunft des Fernsehens. Ein Interview.

Warum findet sich auf Ihrer Internetseite der Satz: „The Revolution won’t be televised“?
Tobias Trosse: Das war der Ursprung des Firmennamens und geht zurück auf einen Song von Gil Scott-Heron aus den frühen 70ern in Amerika. Der Song implizierte damals, dass die Revolution der Bürgerrechtsbewegung nicht zu den Leuten nach Hause kommt, sondern dass sie für eine echte Revolution aufstehen und hinter ihren Fernsehern hervorkommen müssen.

Unser Firmenname ist natürlich umgekehrt gemeint: Heute ist die Revolution eine, die auch vom Fernseher übertragen wird und bei der ich sitzenbleiben kann.

Worin besteht die „Revolution“?
Die „Revolution“ ist eigentlich weniger spektakulär, als manche glauben wollen. Das ist ja gerade das Spektakuläre. Konvergenz findet nun endlich statt. Und zwar in erster Linie technisch. Der Fernseher kann bald all das, was der Internet-PC auch kann. Er ist dann quasi ein PC mit einem besonders großen Monitor. Doch er wird anders genutzt. Nämlich so wie heute, zurückgelehnt. Ich interagiere deutlich weniger als auf dem PC, möchte mich unterhalten lassen und habe statt Tastatur und Maus nur eine Fernbedienung mit wenig Knöpfen. Aber das Fernsehprogramm macht mir mehr Freude. Denn es ist auf mich zugeschnitten und wird exklusiv für mich gebündelt.

Was bedeutet Interaktivität in Bezug auf das Fernsehen, und wie ist sie technisch möglich?
Interaktion beim Fernsehen gibt es ja schon länger. Es kommt auf den Level an, über den wir sprechen. Das Zappen mit der Fernbedienung war die erste Stufe. Für mehr fehlte der Rückkanal. Mit dem Internet als Rückkanal hat es nicht so richtig hingehauen, weil der Medienbruch vom Fernseher zum PC zu groß war. Also gab es als zweite Stufe Votings mit dem Telefon und Rückmeldung per Handy und SMS. Heute gibt es z.B. mit „Betty“ die Kreuzung aus Fernbedienung und Handy. Allerdings nutzt das keiner, weil es einfach keiner hat und kennt.

Noch interessanter wird es deshalb, wenn Interaktion direkt an meinem TV-Gerät möglich ist und somit eine natürliche Funktion des Fernsehers wird. Dabei ist es egal, ob über IPTV oder klassisches Fernsehen mit GSM oder DSL als Rückkanal. Spannend wird es, wenn die Interaktion über direktes Shopping oder Kommunizieren mit anderen Nutzern hinaus geht. Dann, wenn meine Interaktion zu einem personalisierten Fernsehen führt.

Wie wird die Rollenverteilung bei Entstehung und Konsum von TV-Inhalten künftig sein?
An der eigentlichen Rolle der TV-Sender wird sich künftig nicht viel ändern. Die Änderungen beziehen sich nur auf die technische Form. Die Aufgabe bleibt gleich: Content produzieren oder aggregieren, auswählen und dem Zuschauer bereitstellen. Neu ist in Zukunft, dass TV-Marken jedem Zuschauer sein persönliches Programm zusammenstellen. Das heißt, dass neben Massen- auch Individualgeschmack bedient werden kann und will. Diese technischen Chancen werden vom TV-Sender auch weiterhin mit den unterschiedlichsten Geschäftsmodellen bewirtschaftet.

Der Zuschauer freut sich über passendere Unterhaltung und Information. Für die genauen technischen Möglichkeiten sind die verschiedenen Nutzungssituationen entscheidend – beim Internet aktiver, beim Fernsehen passiver. Individualisiertes Fernsehen wird die spannendste und bedeutendste Errungenschaft für den Zuschauer.

Welche Rolle spielt user-generated Content dabei?
User-generated Content oder auch Prosumer Content sind Modewörter und werden in punkto Fernsehnutzung massiv überschätzt. User-generated Content wird nur einen geringen Teil ausmachen, und es ist gefährlich, ihn als Allheilmittel zu sehen.

Künftig wird zwar erheblich günstiger produziert, aber weiterhin hauptsächlich von Profis, die das nicht nur aus Spaß machen, sondern von jemandem dafür bezahlt werden. Im Übrigen ist der „user-generated Content“ auf den gängigen Videoplattformen meist lediglich „user-recorded Content“. Und zwar von TV-Sendern, die darin eine Verletzung ihrer Rechte sehen.

Wie finde ich mich in der künftigen Sendervielfalt zurecht?
Jedem Nutzer mit seiner begrenzten Zeit und Fähigkeit zum Konsum von Inhalten steht eine sehr sehr große Menge an Content gegenüber. Es muss gefiltert werden. Bei der Internetnutzung ist das einfach – da habe ich meine Maus zum Auswählen und kann mich über die Tastatur äußern.

Bei der TV-Nutzung ist das die zentrale Herausforderung. Es bedarf intelligenter Verknüpfungen und Verlinkungen sowie deren smarter visueller Umsetzung.

Die Königsdisziplin dabei ist: Personalisierung sollte nicht notwendigerweise die Aufmerksamkeit des Zuschauers benötigen. TV-Nutzung ist lean back und passiv und wird es weitestgehend bleiben. Mein Fernseher oder mein Fernsehsender müssen meine individuellen Bedürfnisse befriedigen, ohne dass ich mit ihnen darüber lange und permanent reden muss.

Dazu braucht es weiterhin kanalisierende Marken, denen ich das als Zuschauer auch zutraue. Die müssen technisch und rechtlich in der Lage sein, meine Wünsche zu kennen, zu verstehen und an den zu mir passenden Content auch ranzukommen. Nur so kann personalisiertes Fernsehen zu einem Massenerfolg werden. Das enorme Potential dazu hat es.

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Tobias Trosse, Sprecher Medien 2.0

Veröffentlicht am 4. April 2007 um 18:20 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Tobias Trosse (Foto)

Die Vision des Geschäftsführers der Televised Revolution: Jeder Einzelne kann künftig sein Fernseh-Programm als Konsument und Produzent selbst gestalten. Echte Interaktivität wird dadurch erst möglich.

Tobias Trosse gestaltet aktiv die Zukunft des Fernsehens mit. Derzeit entwickelt er eine Software, die es neuen Fernsehsendern ermöglichen soll, zu minimalen Kosten zu produzieren. Um der Contentflut aus unendlich vielen Programmen Herr zu werden, wird es bald Fernsehgeräte geben, die verfügbare Inhalte nach den Kriterien bewerten und filtern, die der Konsument vorgibt oder vorlebt.

Sein Studium der Fernsehproduktion im Studiengang Medientechnik an der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Mittweida schloss Trosse im Jahr 2000 ab. Sein Berufsleben startete er bei Pro Sieben. Als Director Program & Production war er bei Viva und Viva Plus verantwortlich für interaktive Inhalte. Für seine Innovationen wurde Trosse bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem vom Art Directors Club in der Kategorie TV-Design/Kino-Design im Jahr 2005 .

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